Was ist ein Trafoschaltschrank?

Ein Trafoschaltschrank (auch: Transformatorschaltschrank oder Trafo-Steuerschrank) ist eine nach Maß geplante und gefertigte Schaltanlage, die alle Funktionen für den sicheren Betrieb eines Transformators in einem normierten Gehäuse bündelt. Er übernimmt drei Kernaufgaben:

Schutz

Überstromschutz, Kurzschlussschutz, thermischer Schutz und – bei Öltransformatoren – Buchholzrelais und Ölstandsüberwachung.

Steuerung

Automatische Lüftersteuerung, stufenweise Zu- und Abschaltung von Kühlgruppen, Fernstart und Notabschaltung.

Überwachung

Dauerhafte Temperaturmessung mit PT100/NTC, Melderelais, Sammelstörungsausgang und optionale Ferndiagnose via Modbus oder Profinet.

EMB plant und fertigt Trafoschaltschränke für Trocken- und Öltransformatoren deutschlandweit – von der Einzelanfertigung bis zur Serienfertigung. Planung in EPLAN Electric P8, Fertigung nach DIN EN 61439, CE-konform.

Transformatortypen & ihre Anforderungen

Nicht jeder Transformator stellt die gleichen Anforderungen an seinen Schaltschrank. Die Bauart des Transformators bestimmt maßgeblich, welche Schutz- und Steuerfunktionen vorhanden sein müssen.

Transformatortyp Typische Leistung Kühlung Besondere Schaltschrankfunktionen
Trockentransformator (AN/AF) 10 kVA – 4 MVA Luft (natürlich/erzwungen) Lüftersteuerung, PT100-Überwachung, Wicklungsschutz
Öltransformator (ONAN/ONAF) 25 kVA – >100 MVA Öl + Radiatoren/Lüfter Buchholzrelais-Anschluss, Ölstandsmessung, Ölthermometer
Trenntrafo 0,1 – 160 kVA Luft (meist natürlich) Isolationsüberwachung (IT-System), Fehlerstromwarnung
Spartransformator 1 – 630 kVA Luft Überstromschutz, Thermoschutz, Meldekontakte
Mittelfrequenztransformator bis 500 kVA Luft / Wasser Spezielle EMV-Abschirmung, Wasserkühlsteuerung

EMB hat Erfahrung mit allen gängigen Transformatortypen. Bei der Planung werden Nennleistung, Aufstellungsart, Schutzklasse und die Anforderungen des Netzbetreibers berücksichtigt.

Lüftersteuerung & Kühlung

Die Lüftersteuerung ist die häufigste und gleichzeitig kritischste Funktion im Trafoschaltschrank. Überhitzte Transformatoren altern schneller, können Wicklungsschäden erleiden oder im schlimmsten Fall abbrennen. Eine präzise, automatische Kühlregelung schützt das Betriebsmittel und verlängert seine Lebensdauer erheblich.

Stufenkonzept einer typischen Lüftersteuerung

Die Steuerung erfasst permanent die Wicklungstemperatur und schaltet Kühlventilatoren stufenweise zu oder ab. Typische Schwellwerte für Trockentransformatoren:

Normalbetrieb
< 80 °C
Lüfter AUS · Natürliche Konvektion
Stufe 1
80 – 100 °C
Lüftergruppe 1 EIN · Automatisch
Stufe 2
100 – 115 °C
Alle Lüfter EIN · Voralarm aktiv
Alarm
> 120 °C
Sammelstörung · Notabschaltung

Kühlkonzepte im Vergleich

Konzept IEC-Bezeichnung Steueraufwand Geeignet für
Natürliche Luftkühlung AN Gering (Thermostat) bis ca. 630 kVA, gut belüftete Räume
Erzwungene Luftkühlung AF Mittel (Lüftersteuerung + PT100) 630 kVA – 4 MVA, beengte Aufstellung
Natürliche Ölkühlung ONAN Mittel (Ölthermo, Buchholz) Mittelspannungstrafos, Freiluft
Öl + erzwungene Luft ONAF Hoch (mehrstufige Lüftersteuerung) Großtransformatoren > 1 MVA

Was eine professionelle Lüftersteuerung beinhaltet

  • Ausfallüberwachung jedes einzelnen Lüftermotors (Motorschutzschalter + Melderelais)
  • Laufzeitausgleich bei mehreren Kühlgruppen (gleichmäßige Verschleißverteilung)
  • Handsteuerung (Hand/0/Auto) für Servicearbeiten und Inbetriebnahme
  • Sammelstörungsausgang für die übergeordnete Leittechnik oder SCADA
  • Optional: SPS-gesteuerte Regelung mit Modbus/Profinet-Anbindung

Temperaturüberwachung

Basis jeder Lüftersteuerung ist eine zuverlässige Temperaturmessung. Je nach Transformatortyp und Anforderung kommen unterschiedliche Sensorprinzipien zum Einsatz:

PT100 / PT1000
Widerstandsthermometer, sehr genau (±0,1 °C), langzeitstabil. Standard bei Trockentransformatoren ab 100 kVA. Typisch 3 Messstellen: eine pro Phase.
IEC 607513-Leiter±0,1 °C
NTC / PTC-Thermistor
Kostengünstig, einfache Integration. Geeignet für einfache Thermoschutzanwendungen ohne Messwertanzeige. Oft direkt in die Wicklung eingebettet.
EingebettetEinfachschutz
Ölthermometer
Für Öltransformatoren. Misst die Öltemperatur, optional mit Nachlaufpointer für Maximum-Erfassung. Analoge und digitale Ausführungen möglich.
ÖltransformatorAnalog/Digital
Faseroptischer Sensor
Für Hochspannungsanwendungen und Ex-Zonen. Galvanische Trennung, immun gegen EMV-Störungen. Einsatz bei Spezialanwendungen und großen Leistungen.
Galvanisch getrenntEx-Schutz

Im Trafoschaltschrank werden die Sensorsignale ausgewertet, angezeigt und über Melderelais an die übergeordnete Betriebsleittechnik oder SCADA-Systeme weitergegeben. Alle Schwellwerte sind über Parametrierung anpassbar.

Schutzfunktionen & Relais

Neben der thermischen Überwachung enthält ein vollständiger Trafoschaltschrank weitere Schutzeinrichtungen, die den Transformator und die nachgeschaltete Anlage absichern:

Pflicht Überstromschutz (Leistungsschalter oder NH-Sicherung)

Jeder Transformator muss primär- und sekundärseitig gegen Überströme geschützt werden. Die Dimensionierung erfolgt nach Nennstrom, Kurzschlussleistung und selektiver Staffelung mit vorgelagerten Schutzeinrichtungen.

Typische Schutzkomponenten

  • Leistungsschalter / NH-Lasttrennschalter – Primärseitiger Abgang, einstellbarer Überstromauslöser
  • Thermisches Überstromrelais – Schutz der Sekundärwicklung gegen dauernde Überlast
  • Buchholzrelais (nur Öltransformatoren) – Erkennt Gasblasen und Ölströmungen bei internem Fehler; Stufe 1: Alarm, Stufe 2: Abschaltung
  • Ölstandsschalter (nur Öltransformatoren) – Meldet Ölverlust durch Undichtigkeit
  • Isolationsüberwachungsgerät (IMD) – Pflicht bei IT-Netzen (Trenntrafo); erkennt ersten Erdschluss ohne Abschaltung
  • Spannungsrelais – Überspannungs-, Unterspannungs- und Phasenfolgeschutz der Sekundärspannung
  • Erdschlussüberwachung – Erdschlussauslösung bei erhöhten Berührungsschutzanforderungen

Selektivität ist entscheidend: Die Kombination und Parametrierung aller Schutzeinrichtungen muss selektiv sein. Eine fehlerhafte Staffelung führt dazu, dass bei einem Kurzschluss ein übergeordnetes Schutzmittel auslöst – mit deutlich größerem Anlagenausfall. EMB legt bei der Planung besonderen Wert auf nachgewiesene Selektivität.

Normen & Richtlinien

Trafoschaltschränke bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Transformatornorm und allgemeiner Schaltanlagennorm. Folgende Regelwerke sind maßgeblich:

Schaltschrank DIN EN 61439 – Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen

Gilt für den Schaltschrank als Ganzes. Definiert Verifikationsanforderungen, Temperaturgrenzen (Erwärmungsnachweis), Kurzschlussfestigkeit und Dokumentationspflichten. Jeder von EMB gefertigte Schaltschrank erfüllt DIN EN 61439 und erhält eine Konformitätserklärung.

Transformator IEC 60076 / DIN EN 60076 – Leistungstransformatoren

Regelt Anforderungen an den Transformator selbst – Nennleistung, Kurzschlussspannung, Verluste, Prüfvorschriften und Schutzklassen. Die Anforderungen aus IEC 60076 an Schutz- und Steuereinrichtungen fließen direkt in die Schaltschrankplanung ein.

Weitere relevante Normen

  • VDE 0532 – Transformatoren, allgemeine Anforderungen
  • DIN EN 60529 – IP-Schutzarten für Gehäuse (IP43 bis IP65)
  • IEC 61511 – Sicherheitsrelevante Abschaltsysteme (SIL), bei Anforderung
  • EMV-Richtlinie 2014/30/EU – Elektromagnetische Verträglichkeit
  • Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU – CE-Konformität
  • UL 508A – Bei Export in die USA oder auf Kundenwunsch

Planung & EPLAN

Ein Trafoschaltschrank ist kein Katalogprodukt – er wird auf Basis der konkreten Anlage, des Transformatortyps und der Betriebsbedingungen individuell geplant. EMB setzt dabei auf EPLAN Electric P8.

01

Anforderungsaufnahme

Transformatordaten (Nennleistung, Spannungsebene, Kühlart), Aufstellort, Schutzart, Schnittstellen zur Leittechnik, Normanforderungen des Betreibers.

02

Stromlaufplanung in EPLAN P8

Vollständige Schaltpläne, Klemmenpläne, Kabelliste und Stückliste. Automatische Konsistenzprüfung, normgerechte Symbole nach IEC 60617.

03

Komponentenauswahl & Layout

Auswahl aller Geräte (Siemens, ABB, Schneider, Phoenix Contact u. a.), Gehäusedimensionierung, Kanalführung, Wärmeabfuhrnachweis nach DIN EN 61439.

04

Fertigung & Verdrahtung

Mechanischer Aufbau, querschnittsgerechte Verdrahtung, Beschriftung nach EPLAN-Plan, interne Qualitätsprüfung an jedem Arbeitsschritt.

05

Prüfung & Übergabe

Vollständiger Funktionstest (Lüftersteuerung, alle Temperaturstufen, Melderelais), Isolationsmessung, Prüfprotokoll und vollständige Dokumentationsmappe.

Kunden erhalten auf Wunsch die vollständige EPLAN-Projektdokumentation als Teil der Maschinendokumentation – inklusive aller Schaltpläne, Stücklisten und Konformitätserklärung. Das erleichtert spätere Wartung, Erweiterungen und behördliche Prüfungen erheblich.

Typische Anwendungen

Trafoschaltschränke von EMB sind in zahlreichen industriellen Bereichen im Einsatz:

Maschinenbau & Produktion

Steuerschränke für Maschinentransformatoren (Trenntrafo, Spartransformator) mit integrierter Lüftersteuerung und IT-Netz-Überwachung.

Energieversorgung & Netzstationen

Sekundärtechnik-Schränke für Mittelspannungsstationen: Buchholzrelais-Anschluss, Ölstandsüberwachung, Fernbedienung via Modbus.

Gleichrichter & USV-Anlagen

Lüftersteuerung und Schutz für Gleichrichtertransformatoren in Rechenzentrums- und Industrieumgebungen mit hoher Betriebssicherheitsanforderung.

Prüffelder & Labore

Schaltschränke für Regeltransformatoren und Prüftransformatoren: stufenlose Spannungsregelung, Messerfassung, Schutz nach IEC 60076.

Bau- & Infrastrukturprojekte

Trafoschaltschränke für Baustromtransformatoren und Infrastrukturprojekte (Tunnel, Bahn, Flughafen) mit erhöhten IP-Schutzanforderungen.

Erneuerbare Energien

Steuerschränke für Windkraft- und PV-Transformatoren, Blockheizkraftwerke und Batteriespeichertransformatoren mit Ferndiagnose-Anbindung.

Alle Trafoschaltschränke werden nach Ihren spezifischen Anforderungen geplant und gefertigt – von der Einzelanfertigung bis zur Serienfertigung.

Häufige Fragen zum Trafoschaltschrank

Was ist ein Trafoschaltschrank?

Ein Trafoschaltschrank ist ein speziell ausgelegter Steuerschrank für den Betrieb, Schutz und die Überwachung von Transformatoren. Er enthält typischerweise Lüftersteuerung, Temperaturüberwachung (PT100/NTC), Überstromschutz, Meldekontakte und – bei Öltransformatoren – Anschlüsse für Buchholzrelais und Ölstandsmessung.

Welche Normen gelten für Schaltschränke an Transformatoren?

Der Schaltschrank selbst muss DIN EN 61439 erfüllen. Für den Transformator gilt IEC 60076 / DIN EN 60076. Ergänzend greifen die EMV-Richtlinie (2014/30/EU) und die Niederspannungsrichtlinie (2014/35/EU). Bei IT-Netz-Anwendungen ist zusätzlich IEC 61557-8 (Isolationsüberwachung) relevant.

Wie funktioniert die Lüftersteuerung bei einem Transformator?

Die Lüftersteuerung überwacht die Wicklungstemperatur über Temperatursensoren (PT100, NTC oder Thermoschalter). Bei Überschreiten eines Schwellwerts (z. B. 80 °C) schalten Kühlventilatoren automatisch zu, bei weiterer Erwärmung (100 °C) erfolgt ein Voralarm, bei kritischen 120 °C die Notabschaltung. Die Schwellwerte sind parametrierbar.

Was kostet ein Trafoschaltschrank?

Einfache Trafoschaltschränke mit Lüftersteuerung und Temperaturüberwachung beginnen bei ca. 2.500 €. Komplexere Ausführungen mit SPS, Ferndiagnose und redundanten Kühlkreisen können 15.000 € und mehr kosten. EMB erstellt nach Aufnahme Ihrer Anforderungen ein detailliertes Festpreisangebot – kostenlos und unverbindlich.

Können Trafoschaltschränke für bestehende Anlagen nachgerüstet werden?

Ja. EMB plant und fertigt Retrofit-Lösungen für vorhandene Transformatoren. Bestehende Schutz- und Steuerungskonzepte werden analysiert und durch normgerechte, moderne Schaltschranktechnik ersetzt – mit minimalem Ausfallzeitfenster und vollständiger Dokumentation.

Liefert EMB Trafoschaltschränke auch außerhalb von Bayern?

Ja. EMB fertigt und liefert Trafoschaltschränke deutschlandweit. Planung, Fertigung und Qualitätsprüfung in Neutraubling bei Regensburg. Montage und Inbetriebnahme vor Ort sind ebenfalls möglich.